Laubholzernete Salzburg

Was tun, wenn die Eschen sterben?

Was tun, wenn die Eschen sterben?

Forstliche Handlungsempfehlungen beim Eschentriebsterben

Erstmalig wurde das Eschentriebsterben in Deutschland 2002 beobachtet und der Erreger wurde 2007 nachgewiesen. Die genaue Identität des Erregers Hymensocyphus fraxineus (syn. H. pseudoalbidus) mit seiner Nebenfruchtform Chalara fraxinea, sowie dessen Herkunft aus Japan (von Fraxinus mandshurica) konnte 2011 beziehungsweise 2012 geklärt werden. Seit wenigen Jahren sind die Krankheitssymptome bundesweit unübersehbar und es entstehen so große Verluste durch schlechte Stammformen und Mortalität, dass gegenwärtig die forstliche Zukunft der Baumart Esche in Frage gestellt scheint. Andererseits zeigt sich bisher ein kleiner Prozentsatz der Eschen gegen die Krankheit unanfällig, sodass daraus eine künftig weniger anfällige Eschengeneration entstehen könnte. Zu vielen Fragen der Resistenz und zur Infektionsbiologie besteht noch dringender Forschungsbedarf.

 

Inhalt

 

Nicht zuletzt angeregt durch die Europäische COST-Aktion FP1103 („FRAXBACK„) und die deutsche Arbeitsgruppe „Eschentriebsterben“ wurden forstliche Handlungsempfehlungen aus den Bundesländern zusammengestellt, die gleichermaßen den mittelfristigen Abgängen befallener Eschen als auch der Zukunft resistenter Eschen Rechnung tragen sollen. Unterschiedliche Einschätzungen, Empfehlungen und detailliertere Pflegekonzepte der jeweils zuständigen Forstverwaltungen und -betriebe bleiben unberührt. Auf Handlungsempfehlungen zum Eschentriebsterben in Österreich und in der Schweiz wird hingewiesen.

Saatgut

Von der Saatguternte (auch von resistent erscheinenden Eschen) ist gegenwärtig noch abzuraten, da durch Pollenflug mit hoher Wahrscheinlichkeit Erbgut von hoch anfälligen Eschen eingekreuzt sein wird. Eschensaatgut sollte erst wieder gewonnen werden, wenn die Mechanismen der Resistenz und deren Vererbung verstanden und die stark anfälligen Eschen im Bereich von Saatguterntebeständen ausgemerzt sind. Das kann voraussichtlich frühestens in fünf bis zehn Jahren der Fall sein.

Baumschulen

Gegenwärtig wird (außer in Spezialfällen) von der Eschen-Anzucht abgeraten. Infiziertes Material ist umgehend zu vernichten. Insbesondere ist es nicht sinnvoll, durch Fungizideinsatz oder andere Maßnahmen gesundes, aber anfälliges Pflanzmaterial zu erzeugen. Damit wäre die Anfälligkeit nur kaschiert und die Eschen würden bald nach dem Auspflanzen „natürlich“ infiziert werden.

Pflanzung

Von Pflanzungen wird generell abgeraten. Auch die Beimischung von Eschen zwischen andere Hauptbaumarten erscheint wenig sinnvoll. Insbesondere sollten ausgefallene Eschen nicht wieder mit Eschen ersetzt werden. Falls man in besonderen Ausnahmefällen auf Eschenpflanzung nicht verzichten will, wird die Frühjahrspflanzung empfohlen, da hier die Krankheitssymptome am Pflanzmaterial besser sichtbar sind. Infizierte Pflanzen müssen sofort zurückgewiesen und/oder vernichtet werden. „Gesundschneiden“ ist wirkungslos, da sehr weit in gesund erscheinendes Gewebe zurückgeschnitten werden müsste und jederzeit eine Neuinfektion erfolgen kann.

Naturverjüngung

Naturverjüngung kann genutzt werden. Allerdings erscheint die aktive Selektion von ausreichend resistenten Eschen auf baumzahlreichen Flächen nicht machbar. „Biologische Automation“, das heißt das Absterben oder das durch Konkurrenz bedingte Untergehen von infizierten Pflanzen und das Überwachsen durch gesunde, ist nur eingeschränkt wirksam, da auch infizierte Pflanzen trotz schlechter Stammformen noch konkurrenzstark sein können. Das Gesundschneiden von befallenen Pflanzen ist wirkungslos (s. o.). In stark befallenen, reinen Eschen-Naturverjüngungen, in denen das Verjüngungsziel krankheitsbedingt gefährdet ist, kann eine aktive Einbringung von standörtlich geeigneten Mischbaumarten erforderlich sein, wobei eine geringe Stückzahl ausreicht.

Jungbestandspflege

In den gängigen zweiphasigen waldbaulichen Pflegekonzepten wird bis zum Erreichen der angestrebten astfreien Schaftlängen (bzw. der relevanten Oberhöhen) kaum in Jungbestände eingegriffen, um die bei Dichtschluss ablaufende Differenzierung und natürliche Astreinigung möglichst nicht zu unterbrechen. Im Grundsatz gilt das auch für erkrankte Eschenbestände. Stark erkrankte Eschen werden im Dichtstand oft ausfallen. Zur Mischwuchsregulierung können erwünschte, der Esche wuchsunterlegene Baumarten frühzeitig gefördert werden. Denkbar sind solche Eingriffe auch zur Förderung gut veranlagter, resistent erscheinender Eschen.

Erst- und Folgedurchforstungen

Durchforstungen werden auch in befallenen Beständen weiterhin dringend empfohlen. Die Auszeichnung im Sommer erlaubt dabei eine deutlich bessere Einschätzung der Vitalität. Diese ist das wichtigste Kriterium der zu fördernden Bäume. Ein Ziel ist die Erhaltung und Förderung von augenscheinlich widerstandsfähigen Eschen sowie von geeigneten Mischbaumarten. Die ungünstige Vitalitäts- und Entwertungsprognose befallener reiner Eschenbestände beziehungsweise Bestandesteile hat allerdings einen Übergang von Z-Baumdurchforstungen zu freien Hochdurchforstungen ohne Festlegung der Förderung dauerhaft markierter Z-Bäume zur Konsequenz. Bei Folgeeingriffen in Beständen mit bereits früher herausgearbeiteten Eschen-Z-Bäumen sind diese auf Befall und entsprechende Ausfallwahrscheinlichkeit kritisch zu überprüfen. Stark befallene Eschen sollten bevorzugt entnommen werden. Jedoch ist eine intensivere Negativselektion allenfalls im Bereich von Saatguterntebeständen sinnvoll. Zur Frage, inwieweit auch mäßig anfällige Eschen freigestellt werden sollten, um so eine bessere Regeneration der Kronen zu ermöglichen, besteht noch Klärungsbedarf.

Das anfallende Material kann normal verwertet werden. Von verbleibendem Schlagabraum geht keine zusätzliche Infektionsgefahr aus. Vor allem in älteren Durchforstungsbeständen gewinnt die rechtzeitige Entnahme stärker befallener Eschen an Bedeutung, um einer Holzentwertung wertvollerer Sortimente zuvorzukommen (s.u.).

Durch den Ausfall beziehungsweise die Entnahme stark befallener Eschen kann es zu unerwünschten Auflichtungen bis zur vollständigen Auflösung des Bestandesgefüges, somit auch zu Vergrasung und Wasserreiserbildung kommen. Die waldbaulichen Handlungsmöglichkeiten sind hier noch nicht ausreichend ausgelotet. Es ist jedoch naheliegend, erforderlich werdende vorzeitige Walderneuerungsmaßnahmen zügig durchzuführen, um den noch verbliebenen Schirm ausnutzen zu können.

Die Auswahl von Misch- oder Ersatzbaumarten richtet sich nach der konkreten Bestandessituation und den standörtlichen Gegebenheiten (Ahorn, Buche, Erle, Hainbuche, Eiche, Linde, Vogelkirsche, Schwarznuss etc.). Eine einzige Ersatzbaumart wird es für die Esche mit ihrer sehr breiten standörtlichen Amplitude nicht geben.

Stammholzernte

Bestände nahe der Hiebsreife sollten im Hochsommer für den Wintereinschlag ausgezeichnet werden; denn im Juli sind der Laubaustrieb und die Ersatztriebbildung abgeschlossen und der vorzeitige Blattfall hat noch nicht eingesetzt, so dass das Triebsterben deutlich sichtbar wird. Hohe Priorität für die Entnahme haben Bäume mit einem Laubverlust von über 70%. Bei rechtzeitigem Einschlag sind kaum Verfärbungen oder andere Schäden im Stammholz zu erwarten. Außerdem würden diese geschwächten Bäume sonst innerhalb weniger Jahre absterben und die Holzqualität wäre dann durch Holzfäulen, Bläuen und bohrende Insekten oder aber durch starke Bildung von Wasserreisern gefährdet. Wenn letztere neu infiziert werden, kann es zu Rindenläsionen direkt am Stamm kommen. Abgängige Eschen werden zwar sehr schnell von Eschenbastkäfern befallen; jedoch wird auch bei hohen Populationsdichten von diesem stark sekundären Rindenbrüter kein Primärbefall an sonst überlebensfähigen Eschen erwartet. Das Geschehen sollte jedoch beobachtet werden.

Rundholz in Rinde

Unabhängig vom Eschentriebsterben empfiehlt es sich, geschlagenes Rundholz im Winterhalbjahr zügig abzufahren, sodass es zu keinen Schäden durch Käferbefall oder durch wertmindernde Pilze kommt. Eine Übertragung der Krankheit durch das geschlagene Holz gilt als unwahrscheinlich, da die Chalara-Konidien nicht keimen und auf Holz bisher noch keine Apothecienbildung festgestellt wurde.

Verkehrssicherung

Bei stärkerem Befallsgrad kann es in Altbeständen und bei Einzelbäumen zum Absterben von stärkeren Ästen mit entsprechendem Gefährdungspotential kommen. Die Esche verliert abgestorbene Äste relativ rasch. Ferner können Stammfußnekrosen (durch den Erreger des Triebsterbens selbst oder durch sekundären Hallimaschbefall) zur baldigen Destabilisierung der betroffenen Bäume führen, was die Arbeits- und Verkehrssicherheit gefährdet. Im Zweifel müssen die Bäume entfernt werden. Kronenreduzierungen oder andere baumchirurgische Sanierungsversuche sind im Hinblick auf das Triebsterben auch außerhalb des Waldes nicht sinnvoll, da weitere Infektionen und Zustandsverschlechterungen unmittelbar zu erwarten sind.

Abschließende Empfehlung

Das Eschentriebsterben gefährdet die forstwirtschaftliche Nutzbarkeit der Esche; planmäßiges Handeln wird durch diese neue Krankheit sehr erschwert. Gegenwärtig wird empfohlen, möglichst wenig Pflegeaufwand in diese Baumart zu investieren und das Hauptaugenmerk auf die Vermeidung von Holzentwertung durch rechtzeitigen Einschlag sowie auf den Erhalt potentiell resistenter Eschen zu richten. Im Zuge von Durchforstungen sind hoch anfällige Eschen im Lauf der nächsten Jahre zu entfernen, um so möglicherweise eine sukzessive Verbesserung der genetischen Konstitution der Eschenpopulationen zu erreichen. Allerdings sind längerfristige Untersuchungen und Erfahrungen dringend erforderlich, so dass die Handlungsstrategien weiter abgesichert werden können (FVD, waldwissen.at 2015).

Entwicklungszyklus und Biologie der Krankheit

Bildmaterial inkl. Beschreibung

 

Eindämmung des Eschentriebsterbens

Die dreijährige bayernweite Bonitur von über 1.000 Eschen zeigte eine deutliche, standorts- und altersunabhängige Vitalitätsabnahme. So führte im Jahr 2011 die Infektion mit dem „Falschen Weißen Stengelbecherchen“ (Hymenoscyphus pseudoalbidus) und seiner Nebenfruchtform Chalara fraxineabeispielsweise zum Absterben von 20 Prozent der im Stangeholz befindlichen Eschen.

Allerdings wurden selbst in Beständen mit hohem Infektionsgrad potetiell resistente oder tolerante Individuen gefunden. Diese konnten in den letzten drei Jahren der Vitalität 0 (gesund) bzw. 1 (leicht erkrankt) zugeordnet werden (Abb. 1). Die Anzahl gesunder Bäume lag 2011 für die Versuchsbestände im Mittel bei sechs Prozent. Die weitere Entwicklung dieser Eschen wird in den folgenden Jahren Aufschluss über eine tatsächlich vorhandene Resistenz geben. Dann gilt es, diese Bäume gezielt zu fördern, um Samen zur Erzeugung resistenter Nachkommen zu gewinnen.

Diese Resistenzprüfung ist aber langwierig und ein Fortbestehen der Resistenz kann durch weitere Anpassungen des Pilzes nicht gewährleistet werden. Daher müssen Behandlungsmaßnahmen entwickelt werden.

 

Bodenbehandlungen gegen den Infektionsdruck

Neuinfektionen können nur verhindert werden, wenn es gelingt, in den Entwicklungszyklus des Pilzes direkt oder indirekt eizugreifen. Daher müssen Möglichkeiten gefunden werden, die Fruktifikation oder Sporulation zu unterbinden oder zumindest zu verzögern bzw. den Sporenflug einzudämmen. Ein möglicher Angriffspunkt sind die Blattspindeln der Eschen, die dem Pilz am Boden als Wachstumssubstrat dienen.

Durch Abdeckversuche mit Folien (Abb. 2) soll der Einfluss des Lichts auf das Pilzwachstum untersucht werden. Eine definiert Anzahl an Blattspindeln wurde unter lichtdurchlässiger bzw. lichtundurchlässiger Folie ausgebracht und das Pilzwachstum zu verschiedenen Zeiten quantifiziert. Erste Ergebnisse unterstützen einen Laborbefund, der auf die Lichtbedürftigkeit des Pilzes hingewiesen hatte. Fortführend werden nun verschiedene spindelabdeckende Laubbeimischungen untersucht. Diese könnten aufgrund unterschiedlicher Inhaltsstoffe bzw. der Ausbildung eines unterschiedlichen Mikroklimas Einfluss auf das Pilzwachstum nehmen. Langfristig könnte die Einbringung von Mischbaumarten das Pilzwachstum und die Fruktifikation einschränken oder gar hemmen.

Ein indirekter Ansatz wäre, die Verrottung der Blattspindeln zu beschleunigen und dem Pilz so seine Nahrungsgrundlage zu entziehen. Dazu wurden Kalkungsexperimente (Abb. 2) durchgeführt und der Spindelzustand sowie das Pilzwachstum beobachtet. Künftig soll der Einfluss des Bodens näher analysiert werden. Dünge- und Mangelversuche mit Stickstoff, Phosphor und andere Pflanzennährstoffen sollen zeigen, ob diese einerseits einen Einfluss auf die Zersetzung haben und ob andererseits die Eschen damit in ihrer Vitalität gestärkt werden können.

Ausbreitung über Sporenflug

Um die Verbreitung des Pilzes zu verhindern, sind Informationen über die Sporenverbreitung notwendig. 2011 wurden bereits im Mai die ersten Fruchtkörper von H. pseudoalbidus in allen Versuchsbeständen gefunden. Die Sporulation dauerte nachweislich bis mindestens September an. Sporendichte und -verbreitung wurden anhand von verschiedenen Sporenfängern untersucht. Einmal wurden Objektträger horizontal zum Boden in 40 Zentimeter Höhe angebracht, um den unmittelbaren Flug zu detektieren. Desweiteren wurden Höhengradienten befestigt, die den Sporennachweis in zwei bis zehn Metern Höhe ermöglichen. Sie lassen so Abschätzungen zum Gefährdungspotential in der Kronenhöhe älterer Bestände zu. Zusätzlich wurde die Anzahl der Sporen durch aktives Ansaugen über einen Ventilator alle sechs Stunden auf beschichteten Deckgläschen quantifiziert.

An allen Sporensammelstationen wurden die Temperaturen in verschiedenen Höhen, die Windgeschwindigkeit und der Niederschlag erfasst und in ihren Wirkungen auf den Sporenflug analysiert. Untersuchungen im Sommer 2011 zeigten, dass die Sporen vor allem nach Niederschlag freigesetzt wurden (Abb. 3).

Durch weitere Sporensammlung soll nun die Korrelation zwischen Niederschlagsereignissen und nachfolgenden Sporenflug bestätigt werden. Die Kenntnis über den Sporenflug könnte dazu beitragen, einen ökologisch und ökonomisch angepassten Behandlungszeitraum zu ermitteln.

Wirt und Pathogen

Die Sporen des Falschen Weißen Stengelbecherchens infizieren das Blattgewebe und die Spindeln und bilden ein Hyphengeflecht. Aus diesem wächst nach wenigen Tagen die Nebenfruchtform C. fraxinea aus, die für die folgende rasche Besiedlung des Wirtsgewebes verantwortlich ist. Untersucht werden soll, welche Keimfähigkeit und Infektiosität die Sporen nach unterschiedlichen Stressbehandlungen wie Trockenheit, Hitze oder Quellung besitzen. Daher wurde an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) eine Pilzanzucht zur Sporengewinnung unter Laborbedingungen etabliert (Abb. 4).

Da die genauen Bedingungen, die eine Infektion herbeiführen, nach wie vor unbeschrieben sind, sind künstliche Infektionsversuche vorgesehen. Dazu wurden Eschen in eine Klimakammer kultiviert (Abb. 5), die vor äußerem Sporenflug abgeschirmt sind. Nun sollen die abiotischen Faktoren ermittelt werden, die sich infektionsbegünstigend oder -hemmend auswirken. So lässt sich beispielsweise herausfinden, welche Blattnassdauer, Luftfeuchte, Temperatur oder Sporenmenge für eine Infektion benötigt wird.

Der Vergleich potentiell resistenter mit anfälligen Bäumen könnte den zugrunde liegenden Resistenzmechanismus klären. Sollten Unterschiede im Nährstoffgehalt der Blätter oder Hormonmengen gefunden werden, könnten damit potentiell resistente Bäume schneller ermittelt werden. Ein weiterer bedeutsamer Schritt ist die Suche nach Pilzen, die gegenüber dem Eschentriebsterben antagonistisch wirken.

Ausblick

Insgesamt zeigen sich vielfältige Ansätze zur Eindämmung des Eschentriebsterbens. Die Verbreitung der Krankheit erfolgt ausschließlich über Sporen. Diese werden bei der jährlichen Fruktifikation des Pilzes auf den letztjährigen Blattspindeln am Boden gebildet. Der Krankheitsverlauf am Einzelbaum wird maßgeblich über die jährliche Re-Infektion durch diese Sporen bestimmt. Gelingt es, diese Prozesse zu behindern oder gar zu unterbinden, kann der Krankheitsverlauf möglicherweise positiv beeinflusst werden. Die zwingende Notwendigkeit zur jährlichen Fruktifikation des Pilzes und die Re-Infektion der erkrankten Eschen sind damit Ansatzpunkte für Pflanzenschutzmaßnahmen. Das Vorkommen resistenter Eschen sowie die beschriebenen potentiellen Bekämpfungsmöglichkeiten können maßgeblich zum Erhalt der Eschen beitragen. Daher gilt es, die vorhandenen Forschungsansätze weiterzuverfolgen und konsequent zu fördern (LWF 2014, waldwissen.at).

LWF – Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

 

Die Esche (Fraxinus excelsior)

In Auenwäldern und in feuchten Bachtälern ist die Esche eine häufige Baumart. Sie prägt wertvolle, oft bedrohte Lebensräume, ist aber auch für die Forstwirtschaft wichtig. In Laubmischwäldern wächst sie schnell; ihr zähes und biegsames Holz wird sehr geschätzt.

Vorkommen und Aussehen

Die Gattung Fraxinus umfasst weltweit etwa 65 Baum- und Straucharten und gehört zur Familie der Ölbaumgewächse. In Europa gibt es lediglich drei Eschenarten: die Blumen- oder Mannaesche (Fraxinus ornus) und die Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) kommen nur im südlichen Europa vor und erreichen eine Baumhöhe von 20 bis 30 m. Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) wächst zu einem noch stattlicheren Baum von über 40 m Höhe. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Westeuropa bis zum Ural sowie bis Südskandinavien (=> Karte). Bei günstigen Voraussetzungen kann die tiefwurzelnde Esche auf den von ihr bevorzugten gut durchlüfteten, tiefgründigen und basenreichen Böden ein Alter von etwa 300 Jahre erreichen. Keine Seltenheit sind bis 20 m lange, astfreie Stammteile, bevor die eher lichte Krone mit den steil aufragenden Ästen beginnt. Die „Schweizer-Rekord-Esche“ hat gemäss Landesforstinventar (LFI) folgende Maximalwerte: 80 cm Brusthöhendurchmesser (BHD), 45 m Höhe und 7,9 m3Schaftholzvolumen.

An den grauen bis grünlichen Zweigen befinden sich gegenständige, unpaarig gefiederte bis etwa 20 cm lange Blätter mit 9 – 15 feinscharf gezähnten Teilblättern. Im Gegensatz zu andern Laubbaumarten treiben die Eschenblätter erst im späten Frühling aus. Dafür spriessen die purpurroten, fast kugeligen Blütentrauben aus den pechschwarzen, kugelförmigen Seitenknospen bereits einige Wochen vor dem Laubausbruch. Im Herbst wirft die Esche als einzige einheimische Baumart ihre Blätter im grünen Zustand ab. Im Gegensatz dazu bleiben die reifen, braunen Früchte in Form zweisamiger Nüsse mit einseitigen Flügeln über den ganzen Winter hindurch an den Ästchen.

Die Rinde der Esche ist bis etwa zum vierzigsten Lebensjahr glatt und von hellgrünlich-grauer Farbe. Mit zunehmendem Alter wird sie dunkel bis schwarzgrau und reisst borkig in länglich-rhombische Felder auf. Bezogen auf die Stammzahl ist dieses wertvolle Laubholz gemäss LFI bei uns mit 3,7% vertreten.

Bedeutung, Holz und dessen Verwendung

Die Esche ist seit Jahrtausenden geschätzt. Bereits während der Jungsteinzeit diente ihr Laub als Viehfutter. Zur Laubgewinnung wurden jährlich einige Zweige gleich nach dem Austrieb abgehauen (sogenanntes „Schneiteln“), getrocknet und dann als Laubheu für die Winterzeit eingelagert. Noch heute sind in abgelegenen Tälern Eschen zu sehen, die der Bevölkerung bis vor wenigen Jahrzehnten als Futterbäume für ihr Vieh dienten.

Das sehr zähe und biegsame Eschenholz zählt zu den festen und tragfähigsten Hölzern. Mit rund siebzig Jahren setzt die Verkernung des Holzes ein, dessen Farbe normalerweise gelbbräunlich ist. Das je nach Wuchsstandort mehr oder weniger oft anzutreffende braune bis dunkelbraune Kernholz entspricht nicht dem heutigen Modetrend nach hellem Holz.

Wegen seiner vielen wertvollen Eigenschaften ist Eschenholz sehr begehrt. Es weist gute Festigkeitswerte auf. Es schwindet wenig und lässt sich manuell und maschinell gut bearbeiten. Für den Innenbau ist Eschenholz mit hellem Kern gefragt und findet dort häufig Verwendung als Parkett oder Fussbodendiele, als Treppenstufen und -geländer sowie für Möbel in Küche, Wohn- und Schlafräumen. Der Vorteil der Elastizität des Eschenholzes findet in verschiedenen Sportgeräten, wie beispielsweise Ski, Schlitten, Barrenholme, Ruder, Speere und Bögen Verwendung. Obwohl Eschenholz von seiner früheren Verwendung bei Drechslern und Wagnern viel an Bedeutung verloren hat, ist es nach wie vor zur Herstellung von Werkzeugstielen begehrt. In der zur Zeit grössten Stielwarenfabrik der Schweiz im aargauischen Fischbach-Göslikon werden jährlich rund 15’000 m3 Eschenstammholz verarbeitet.

Waldbauliche- und ökologische Bedeutung

Die sich reichlich verjüngende Esche ist als wichtige Mischbaumart aufgrund ihrer hohen Wuchsleistung sowie ihrer guten Holzqualität von grosser Bedeutung für die Forstwirtschaft. Die ökologische Bedeutung der Esche ist vielfältig. Zum einen bietet sie zahlreichen Insekten und Vögeln einen wichtigen Lebensraum. Wildtiere ernähren sich von Zweigen und Knospen der Jungpflanzen, dies allerdings nicht immer zur Freude der Forstleute! Zum andern zersetzen sich die im Herbst auf den Boden fallenden Eschenblätter „zügig“. Die wertvolle Streu wirkt bodenverbessernd, humusbildend und sorgt für ein reiches Bodenleben.

Die Esche eignet sich auch als Stabilisator von rutschgefährdeten Hängen, speziell aber von Bach- und Flussufern. Ihr weitreichendes und dichtes Wurzelwerk befestigt Uferböschungen und verhindert dadurch Unterspülungen und Abschwemmungen.

Der Name

Der Name der Esche ist auf das Germanische zurück zu führen und hiess im Althochdeutschen «ask», was Speer oder Bogen bedeutete. Eine weitere Ableitung von Esche stammt vom Keltischen «eska», was gleichbedeutend ist wie Wasser. In unseren vielfältigen Mundarten tönt der Baumname allerdings immer wieder ähnlich: Esche, Eesche, Eschschä, Ösche, Ösch, Äschä, Eisch. Namen wie „Bogenbaum“, „Geissbaum“, „Wundbaum“ weisen auf die Verwendung dieses Baumes hin.

Auch Ortsnamen erinnern an diesen stattlichen Laubbaum: Eschenz, Eschen-Nendeln, Eschental sowie Eschenbach (einem mit Eschen bestandenen Bach). Die im französischsprachig gelegenen Ortschaften wie Fresnes, Fresne, Fresnoy, Le Fresse, Le Frêche etc. leiten ihre Herkunft vom lateinischen „fraxinus“ ab (Esche französisch = frêne). Auch teils berühmte Geschlechter verdanken ihren Familiennamen dieser Baumart; Esch, Escher, Eschenbach (Freiherr von), Eschenmoser, Eschmann, Aschmann.

Mythologie und Brauchtum

Im Vergleich mit beispielsweise der Eiche oder der Linde führt die Esche eher ein Schattendasein bei Dichtern, Komponisten und in der Mythologie. In der germanischen Mythologie ist die Weltesche (Yggdrasil) die Mitte des Universums. Mit ihrer Krone schafft sie die Verbindung zum Himmel, mit ihrem Stamm zur Erde und mit ihren Wurzeln zur Unterwelt. Unsere Vorfahren waren von vielen unterschiedlichen, nützlichen Eigenschaften der Esche überzeugt. So soll sie Unheil abwehrende Kräfte in sich haben. Ihr Saft schützt vor dem Biss der Schlange. Dass Schlangen grosser Respekt vor der Esche nachgesagt wurde, belegt folgender alter Spruch:

  • Ich bin von den Alten gelart,
    der Eschenbaum hab diese Art,
    dass keine Schlange unter ihm bleib,
    der Schatten auch hinweg sie treib,
    ja die Schlange eher ins Feuer hinläuft,
    eh sie durch seinen Schatten schleift.

Eschenholz in Kleider eingenäht lasse blutende Wunden versiegen (dieser Glaube dürfte seinen Ursprung im hohen Gerbstoffgehalt der Rinde haben). Fischer sprachen dem Holz einen speziellen Zauber nach. Sie waren davon überzeugt, dass aus Eschenholz angefertigte Ruder und Bootsrippen vor dem Ertrinken bewahren.

Eschen sollen auch Unwetter abhalten – und nicht nur meteorologische! Bei den Römern galt diese Baumart als Symbol einer glücklichen Ehe und bei den Schotten bewahrte ein über das Bett gehängter Eschenzweig vor einem Ehegewitter. Noch heute bei Wetterpropheten bekannt ist die alte Bauernregel (WSL 2011, waldwissen.at):

  • Grünt die Eiche vor der Esche,
    hält der Sommer grosse Wäsche.
    Grünt die Esche vor der Eiche,
    bringt der Sommer grosse Bleiche.

Esche – waldwissen.at