Baumfällung Salzburg Berchtesgaden

Rechtliche Aspekte beim Zugversuch VTA bei Bäumen

Rechtliche Aspekte beim Zugversuch VTA bei Bäumen

BRD: Urteil Trier

Zugversuch und VTA

Im November 2012 ereignete sich in Trier ein folgenreicher Baumsturz. Eine 160 Jahre alte Kastanie mit wesentlichen, sichtbaren Vorschäden stürzte dabei auf zwei Personen. Das Urteil in 2. Instanz erfolgte im Dezember 2014 gegen den Angestellten des Grünflächenamtes. Dabei stützte sich das Urteil im Wesentlichen auf die Aussagen des dritten Sachverständigen.

Dabei irritiert, dass nun Fachleute in der Öffentlichkeit und im Internet dem Urteil Aussagen unter­stellen, die in keinster Weise richtig sind. So wird der an der Kastanie vor dem Unfall ausgeführte „Wackeltest“ mit einem Zugversuch verglichen und aus der Beschreibung der Restwand­stärke (in Bodennähe unter 10 cm) die Richtigkeit der VTA Methode abgeleitet. All diese haarsträub­enden Aussagen sind nur möglich, weil das Urteil bis heute nicht veröffentlicht wurde. Das Urteil vom Landgericht Trier liegt uns nun vor und wir möchte hiermit den Fehlinterpretationen klar entgegentreten.

Nachdem der Baum bei der Regelkontrolle aufgefallen war, wurde zwar eine eingehendere Untersuchung vorgesehen, aber wohl nur unzureichend in der Form eines „Wackeltests“ ausgeführt:

„Ob der Angeklagte am 22.07.2012 konkrete Untersuchungsmaßnahmen vorgenommen hat oder nicht, konnte in der Hauptverhandlung nicht geklärt werden. Gesichert ist allerdings, dass im Beisein des Angeklagten der Zeuge B… mit einem Mitarbeiter aus der Pflegekolonne einen sogenannten „Wackeltest“ durchführte. Zu diesem Zweck wurde ein Steigerhubwagen auf einem Weg im …park platziert und der Steiger hochgefahren. Ein Mitarbeiter ergriff sodann einen Ast und zog an diesem. B… und T… beobachteten dieses Vorgehen vom Boden aus. Weitere Maßnahmen wurden nicht ergriffen.“ Landgericht Trier 7 Ns 8012 Js 4098/13

Wer den Umfang und die wissenschaftlichen Details eines Zugversuches kennt, weiß, dass man diesen nicht mit dem hier beschriebenen Wackeltest vergleichen kann.

Auf der Website „arboristic.de“ wird dem Urteil folgende unrichtige Aussage unterstellt: „Das vorliegen­de Urteil des Amtsgerichts Trier ist ein Beleg dafür, dass rechtliche Risiken bestehen, wenn Baumkontrollen nicht mit der VTA-Methode durchgeführt werden.“ Siehe Link:

VTA-Methode Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen

Dabei wurde in dem Gerichtsurteil die VTA Methode in keinster Weise analysiert. Ausführlich besprochen wurde nur die „ungeschickte“ Kritik des zweiten Sachverständigen:

„Entscheidend ist allerdings, dass der Sachverständige Dr. Sch… sich zu keinem Zeitpunkt – trotz seines hohen allgemein anerkannten Fachwissens – von seiner Rolle als Parteigutachter für den Angeklagten lösen konnte. So hat der Sachverständige Dr. Sch… sich trotz seines anzuerkennenden großen Sachverstandes, den er auch der Kammer präsentierte, nicht wirklich mit den von dem Sachverständigen P… festgestellten Ursachen des Sturzes des Baumes auseinandergesetzt. Teilweise hat er Erklärungen des Sachverständigen P… einfach abgetan oder sich darauf beschränkt, vermeintliche Mängel des Sachverständigen P… in dessen Gutachten äußerst salopp zu rügen. Eine konkrete Auseinandersetzung mit den Feststellungen des Sachverständigen P… hat der Sachverständige Dr. Sch… zur Überzeugung der Kammer nicht durchgeführt. So hat der Sachverständige Dr. Sch… beispielsweise die von dem Sachverständigen P… allgemein als Faustregel anerkannte Regel der 1/3- Restwandstärke, die ein Baum noch aufweisen muss, als nicht hinreichend fundiert abgelehnt; gleichzeitig hat er es indes unterlassen die Restwandstärken der Rosskastanie konkret zu untersuchen und zu vermaßen.“ Landgericht Trier 7 Ns 8012 Js 4098/13

Insgesamt ist aus dem Urteil zu ersehen, dass das Gericht seine Arbeit sehr gewissenhaft und umfassend ausgeführt hat. Dabei wurden alle Teilaspekte bis ins Detail analysiert. Auch die Glaubwürdigkeit der drei Sachverständigen stand auf dem Prüfstand, die Kritik ist im Urteil umfangreich ausgeführt. Die zusammenfassende Beurteilung des zweiten Sachverständigen ist dabei für die Fachwelt überraschend:

„Der Sachverständige Dr. Sch… hat trotz seiner öffentlichen Bestellung und deutlichen Belehrung des Gerichts zu keinem Zeitpunkt die unabhängige Stellung eines Sachverständigen eingenommen, was eigentlich seine Aufgabe gewesen wäre. Die Kammer vermag daher den Ausführungen des Sachverständigen Dr. Sch… nicht zu folgen.“ Landgericht Trier 7 Ns 8012 Js 4098/13

(Günther Nikodem, Steyr im November 2015)

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Weitereführende Informationen finden sich hier unter dem angeführten Link: Baumunglück in Trier_das Berufungsurteil PDF

VTA (Visual Tree Assessment) Naturbeobachtung & Biomechanik