Waldwirtschaftsberatung Imperius Dienstleistung

Esche in Not – ein Aufruf von Forstwirtschaft und Naturschutz

Esche in Not – ein Aufruf von Forstwirtschaft und Naturschutz

Wien, Juli 2015  Seit zehn Jahren schädigt ein eingeschleppter, aggressiver Pilz die Eschenbestände in Österreich. Lokal sind viele Eschenpopulationen bereits ausgestorben, oftmals sind aber noch einzelne resistente Individuen vorhanden. Ein Projekt des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) und der Universität für Bodenkultur, Wien (BOKU) soll dazu beitragen, eine weitere Erosion des Genpools zu stoppen und damit das „stille“ Artensterben zu beenden. Die noch gesunden Individuen sollen nun in ganz Österreich  identifiziert und in künstlichen Erhaltungs- bzw. Züchtungspopulationen gesichert werden, um resistentes Eschensaatgut zu produzieren. Damit soll nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern auch für die Forstwirtschaft geleistet werden. Denn ein Aussterben der Esche würde das mit ihr verbundene Ökosystem nachhaltig verändern. Nun ist die Mitarbeit von allen am Wald Interessierten gefragt.

In Europa kämpft eine Baumart ums Überleben.
Nach dem Ausfall der Ulme durch das Ulmensterben sowie der Bedrohung der Schwarzerle durch eine Phytophthora-Art ist nun auch die Esche seit einigen Jahren in ihrer Existenz bedroht. Ein aus Asien eingeschleppter Schlauchpilz (Hymenoscyphus fraxineus) führt bei der Rinde zu Schädigungen, die sich ausbreiten und ganze Äste zum Absterben bringen können. Besonders betroffen sind allerdings junge Pflanzen, da das Triebsterben bereits die Sämlinge befällt und absterben lässt. Hier tritt der Tod schnell ein.

Genetisch bedingte Resistenz
ist nachgewiesen Man findet immer wieder einzelne Bäume, die nur geringe oder keine Schadsymptome aufweisen und wahrscheinlich eine Resistenz gegenüber dieser Krankheit aufweisen. Da die nicht oder nur wenig befallenen Bäume nur vereinzelt vorkommen, können sich auf natürlichem Wege keine resistenten Baumpopulationen entwickeln, da oftmals der „Paarungspartner“ fehlt. „Die Auslese resistenter Eschen und deren Vermehrung ist vermutlich die einzige erfolgversprechende Möglichkeit, diese Krankheit zu bekämpfen. Nur so können wir langfristig diese so wichtige Baumart für die Forstwirtschaft und den Naturschutz erhalten“, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Geburek, Leiter des Instituts für Waldgenetik am BFW.

Projekt „Bedrohtes Erbgut Esche“ Eine erfolgreiche Umsetzung  ist nur durch eine aktive Unterstützung aller am Wald beteiligten und interessierten Gruppen möglich. Insbesondere ist die Mithilfe der WaldbesitzerInnen, NaturschützerInnen, aber vor allem auch der Bezirksforst-inspektionen und Landwirtschaftskammern nötig, um bundesweit wenig befallene Eschen zu lokalisieren.

Auf Initiative und mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer Österreich, des BMLFUW, des Österreichischen Forstvereins, allen Landesforstdirektionen, der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg sowie des Forstamtes Wien.

 

Problem Eschentriebsterben

Diese Krankheit schädigt die Bäume massiv, führt zu Zuwachsverlusten bis hin zum Absterben der Esche.
Der Ausfall dieser anspruchsvollen Baumart der Laubmischwälder führt zu nachhaltigen Veränderungen des Ökosystems Wald. Darüber hinaus ist die Forstwirtschaft mit dem Edellaubholz Esche weitgehend zum Erliegen gekommen. Während 2003 noch ca. 1,5 Millionen junge Eschen in Österreich angepflanzt wurden, so ist der heutige Pflanzbedarf nahe null.

Auswahl und Nutzung resistenter Bäume

In Altbeständen werden immer wieder einzelne Bäume beobachtet, die nur geringe Schadsymptome aufweisen und möglichweise Abwehrmechanismen gegenüber dem Triebsterben besitzen.

Bis zu 5% aller Klone in österreichischen Saatgutplantagen sind wenig anfällig oder resistent gegenüber dem Triebsterben. Internationale Studien zeigen, dass diese Resistenz eine sehr hohe genetische Komponente besitzt, d.h. die Erblichkeit gegenüber dieser Krankheit hoch ist.

Ziel

Mehrere hundert „resistente“ Klone sollten ausgelesen werden, um die genetische Vielfalt der Esche zu erhalten und ein „Wettrüsten“ mit dem Erreger zu verhindern. Diese Auslese soll zum Aufbau von neuen Saatgutplantagen mit lokal angepassten und resistenten Klonen aus Österreich dienen.

Unterstützung gesucht

Für eine vollständige Erfassung potentiell „resistenter“ Eschen brauchen wir die Unterstützung von Waldbesitzern, Förstern, forstlichen Beratern und Behörden.

Wir SUCHEN Einzelbäume, die innerhalb von stark geschädigten Beständen, keine oder nur geringe Schäden aufweisen und damit als feldresistent gelten können. Vorzugsweise sollte es sich bei diesen Bäumen um weibliche Eschen handeln, denn im ersten Projektabschnitt sollen mehrere zehntausend Sämlinge geprüft werden. Erweisen sich diese Halbgeschwister tatsächlich als wenig anfällig gegenüber dem Pilz, so machen wir uns im zweiten Schritt auf die Suche nach deren genetischem Vater (Vaterschaftstest).

Aufgrund der reichlichen Eschenblüte 2015 erwarten wir im Herbst eine reichliche Ernte und wollen erste Saatgutbeerntungen durchführen.

Die eigentliche Erfassung der genetischen Vielfalt der Esche und ihrer Resistenz wird in einem großen Pflanz- und Infektionsversuch am BFW in Kooperation mit der BOKU durchgeführt.

Die eigentliche Erfassung der genetischen Vielfalt der Esche und ihrer Resistenz wird in einem großen Pflanz- und Infektionsversuch am BFW in Kooperation mit der BOKU durchgeführt.

Im besten Fall senden Sie uns Fotos der feldresistenten Eschen, sowie Karten und/oder Koordinaten der Bäume und Informationen zum jeweiligen Waldbesitzer.

Im Laufe des Sommers ist eine erweiterte Webpage geplant, auf der Meldungen auch Online erfolgen können (Quelle: BFW – Institut für Waldgenetik)

BFW – Institut für Waldgenetik

Merkblatt Eschenauswahl – Imperius Dienstleistung